Welt als veränderbarer Ort der Fülle. Das war die unvergESSBAR Konferenz in Witzenhausen

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Tomatenherz

„Die urbane Gartenbewegung: Diese Strömung ist eventuell die Wichtigste der internationalen Commons-Bewegung“ (Christa Müller)

Die unvergESSBAR Konferenz in Witzenhausen führte vom 14. bis 16. Juni 2013 Menschen zusammen, die sich konkret mit der Schaffung von Allmenden (= Gemeingut) in der städtischen Gartenbewegung beschäftigen und Interessierten, die mitbestimmen und mitgestalten möchten rund um das Thema gemeinsames Gärtnern – und das nicht nur in Städten. Ein Filmabend, Vorträge, eine Vielzahl an Workshops über zwei Tage verteilt, ein unvergessbarer Stadtrundgang und ein Nachmittag auf dem Hof Freudenthal gehörten zum Programm, wo gemeinsam gegärtnert wurde.

Zum Auftakt führte Christa Müllers in ihrem Vortrag „Die Urbane Gartenbewegung“ ein in die Geschichte des Urban Gardenings. „Diese Strömung ist eventuell die Wichtigste der internationalen Commons-Bewegung.“ Brachliegende Flächen oder Häuser werden in angenehme Orte und in eine grüne, lebensfreundliche Umgebung verwandelt. Gemeinschaftsgärten werden neue soziale Treffpunkte, die über das gärtnern hinaus wichtige Verbindungen aufbauen und so zur sozialen Stabilität in Städten beitragen. Es ist eine Bewegung, die bereits viel früher in Amerika eingesetzt hat. Christa Müller ist Autorin von mehreren Büchern und Mitbegründerin der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis.

In Deutschland sind die „Internationalen Gärten“ mit als Startinitiative des urbanen und kollektiven Gärtnerns zu nennen. Der erste dieser Form wurde in Göttingen vor 16 Jahren gegründet. Migranten, die in Deutschland in den 1980er Jahren landeten, ohne Möglichkeiten zum arbeiten oder sich frei bewegen zu können, wurden gefragt, was ihnen am meisten fehlt. Es war ihr Garten.

UnvergESSBAR


Selbstermächtigung des Konsumenten

Die Lebensmittelproduktion in der „Urban Gardening“ Bewegung spielt inhaltlich eine bedeutende Rolle. Die Selbstermächtigung der Konsumenten, der Ernte des eigenen Gemüses oder Obst ist ein klarer Protest gegen die allumfassende Supermarktstruktur in den Städten. Protest zeigt sich heute im handeln. Das Bedürfnis wird deutlich, in der Stadt und in Dörfern, mitzubestimmen und mitzugestalten. Ohne Parteien und Gewerkschaften, nicht durch die Macht der Worte, sondern der Kraft der Zeichen. Neue urbane Räume werden selbstbestimmt geschaffen. Beispiele in der Großstadt Berlin beleuchtet die Regisseurin und Stadtplanerin Ella von der Haide in ihren Filmdokumentationen „Eine andere Welt ist Pflanzbar“.

Upcycling bedeutet Dinge in einen neuen Kontext zu setzen. Dieser Methode bedient sich in besonderem Maße die Urban Gardening Bewegung. Fast alle Materialien lassen sich zu Pflanzgefäßen transformieren. Schön zu sehen in dem neuen Bildband Stadt der CommonistenNeue urbane Räume des Do it yourself“, der von Christa Müller mit herausgegeben wurde, in dem es natürlich um mehr geht, als nur um Upcycling. Diesen Band werde ich in einem separaten Beitrag vorstellen.

Ich wählte für mich am zweiten Tag dem Wildkräuterworkshop mit Heilpraktikerin Katrin Detloff. Frisch inspiriert bin nun, mich wieder mit den Pflanzen direkt um mich herum zu befassen. Ein Rezept für Holunderblütensaft, dass mir eine Teilnehmerin während des Workshops zuflüsterte, teile ich gern: Holunderblüten mit Rosinen 24h in Wasser legen, abgießen und – den köstlichen Saft genießen.

Fazit

Was ist die Grundessenz der Bewegung des gemeinsamen Gärtnerns in Städten und Dörfern? Es geht um das gemeinsame Tun in Verbindung mit der Achtsamkeit, die Freude am Schaffen von gemeinsam genutzen Oasen und was ich täglich als Nahrung zu mir nehme. Dass die Qualität von Obst und Gemüse, ob in Städten oder Dörfern, auch durch Umweltgifte beeinflusst wird, wurde während der Tagung nicht ausgespart. Johannes Heimrath, Herausgeber des OYA Magazin, Musiker und Publizist, wies in seinem bewegenden Vortrag deutlich auf unsere vergifteten Äcker hin. Seine Bitte an uns: Setzt Euch für das Totalverbot von Ackergiften ein – für eine enkeltaugliche Zukunft! Denn dass, was landesweit stattfindet, unterstützt mit einem immensen Budget an europäischen Fördergeldern – ist eine LandUNwirtschaft.

Mein ganz persönlicher Dank geht an die Hauptorganisatoren, dem Transition Town Team von Witzenhausen, die eine nahrhafte und bereichernde Tagung weit über Witzenhausen hinaus zusammengestellt haben. Für unser nächstes Fair Camp im Januar 2014 laden wir einige der Referenten ein und werden Filme von Ella von der Haide zum Thema “Urban Gardening“ im weltweiten Kontext zeigen.

Mehr über die Bedeutung von „Commons“ mit Beispielen aus aller Welt lesen möchte, bestellt sich die letzte OYA Ausgabe (Heft 20), die sich komplett mit diesem Thema beschäftigt: „Commoning – gemeinsam gutes Leben schaffen“.

Bildergalerie:
www.flickr.com/photos/goldboerse/sets

Links:
UnvergESSBAR Konferenz
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Transition Town Witzenhausen
Oya – anders denken, anders leben

Download:
UnvergESSBAR Konferenz in Witzenhausen > Arbeitsgruppen


Text: Katharina Wyss

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