Fröhliche Ostern mit Goethe – heute wäre er Umweltschützer und Greenpeace Mitglied

| Keine Kommentare

P1020946 olaf buntemeyer small

OSTERSPAZIERGANG – von Johann Wolfgang von Goethe

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche.
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

Im Tale grünet Hoffnungsglück;

Der alte Winter, in seiner Schwäche,

Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur

Ohnmächtige Schauer körnigen Eises

In Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weisses,

Überall regt sich Bildung und Streben,

Alles will sie mit Farben beleben;

Doch an Blumen fehlt es im Revier,

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen

Nach der Stadt zurück zu sehen!

Aus dem hohlen finstern Tor

Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

Denn sie sind selber auferstanden:

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

Aus der Strassen quetschender Enge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

Wie der Fluss in Breit und Länge

So manchen lustigen Nachen bewegt,

Und, bis zum Sinken überladen,

Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden

Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,

Hier ist des Volkes wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet gross und klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

> Zum hören auf YouTube: Eine gelungene Tonaufnahme.

Wir entdeckten als unser Artikel fertig war, dass KarmaKonsum heute das gleiche Gedicht online veröffentlichte. In diesem doppelten Goethe-Sinn – ein Ostergruß an unseren wertvollen Partner nach Frankfurt.

Foto: Olaf Buntemeyer, www.konnex.tv

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.