Fair Camp Workshop „Dragon Dreaming und Gewaltfreie Kommunikation“ mit Ulrike Reimann

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Dragon_Deaming_FairCamp 2012_berlinRückblick von Ulrike Reimann auf ihren Workshop „Dragon Dreaming und Gewaltfreie Kommunikation“ am 21. Januar 2012 auf dem Fair Camp: Träumen, mit dem Drachen tanzen und dabei spielend das scheinbar Unmögliche realisieren, das ist die Idee hinter Dragon Dreaming.

Dragon Dreaming entstand 1996 in West Australien aus dem Wunsch heraus, die Liebe, die wir für eine Sache (einen Traum) haben, in Handlungen zu leiten. Daraus entwickelte sich ein Ansatz lebendiger Systeme, um den großen Wandel zu verwirklichen. Mittlerweile wird er in über 700 erfolgreichen Projekten genutzt und findet inzwischen auf allen Kontinenten Verbreitung.


Der Traum

Jedes Dragon Dreaming-Projekt entsteht durch eine Einladung, einen eigenen Traum mit anderen zu teilen.

Und wovon träumst du? Und wie kann dein Traum zum Traum von vielen werden und dadurch verwirklicht werden? Das ist die Frage, die zu „Dragon Dreaming“ und uns auf dem FairCamp zusammenführte.

In der Mitte der Workshop-Runde liegt das Dragon Dreaming-Rad, es beinhaltet vier gleichwertige Quadranten: Träumen, Planen, Handeln, Feiern. Diese Phasen finden wir auch in den natürlichen Kreisläufen der Natur wieder, in jedem Tag, in jedem Leben – so dreht sich die Welt und unsere eigenen Projekte, wenn es „rund laufen“ soll.

Und so sprachen wir über unser „halb Sein“, weil wir in unserem Lebens- und Berufsalltag das Träumen und auch das Feiern versäumen. Um scheinbar schneller und effizienter zu sein, haben wir das Träumen und Feiern (im Sinne von würdigen und bedauern) aus unserem (Berufs-)Leben herausgeschnitten. Damit geht sind wir auch schneller erschöpft und die Suche nach dem Sinn und der Bedeutung unseres Tuns wird dringlicher.

Also lautet die Frage an uns alle nicht nur: wie viel träumst du, sondern auch, wie viel feierst du?


Das Rad

Jeder Tag, jedes Handeln, jedes Projekt und auch das eigene Lebens beginnt mit einem Traum, der sich entwickelt (Planen), den wir füllen mit realen Taten (Handeln) und am Ende steht das Feiern des Erreichten und Erlebten.

Mancher Traum entsteht aus dem Feiern, was nicht bedeutet, die Korken knallen zu lassen und zu tanzen, sondern auch Innehalten, Gelungenes und Erreichtes würdigen und betrauern, was nicht wie gewünscht geklappt hat.

Auch Dragon Dreaming ist aus dem Feiern entstanden, dem Beobachten, wie es in der Welt läuft.

Mit Dragon Dreaming könnten wir ein anderes als das verinnerlichte Win-Lose Game miteinander praktizieren – und das genau an den Orten, wo wir etwas in der Welt nachhaltig bewirken wollen und können. Die Idee ist, ein Spiel auf Grundlage der Win-Win-Win Prinzipien zu spielen, indem die scheinbaren Gegensätze verbunden werden und es kein besser oder wichtiger gibt. Das Spiel ist vollendet wenn das Ziel erreicht ist.


Ein neues Spiel

Wir werden ein anderes „Spiel“ spielen, eines das trägt und aus dem nachhaltige Projekte erwachsen. Ein neues Spiel verlangt neue Spielregeln zu etablieren als die Verinnerlichten, die uns leiten. Wir sind in unserer Kultur geprägt, dass wir nur die Wahl zwischen Verlieren und Gewinnen hätten, oder wenn wir keine Chance mehr sehen, aussteigen und blockieren.


In Verbindung mit Gewaltfreier Kommunikation (GFK)

Als Marshall Rosenberg die GFK entwickelte, war er damit beschäftigt herauszufinden, was Liebe ist und wie sie sich ausdrückt. „Love in aktion“ ist die Verbindung von beidem – die Entdeckung der eigenen Wahrheit, des eigenen Strebens und beides sichtbar machen in dieser Welt.

Dragon Dreaming, ebenso wie die Gewaltfreie Kommunikation, bezeichnen Prozesse und Haltungen durch die wir beginnen, etwas von uns mit der Welt zu teilen, uns Hin-geben – und nackt und ehrlich aussprechen, was in uns lebendig ist. Beiden gemeinsam ist auch das leidenschaftliche Aussprechen der eigenen Wahrheit (Bedürfnisse) und auch tiefe Zuhören der Wahrheit anderer.

Bei Dragon Dreaming und GFK steht partnerschaftliches Denken und Handeln im Vordergrund –  frei werden von Dualismen, von  einer Sprache der Dominanz und sich öffnen für einfühlsames sprechen und zuhören:

kein du gegen mich, kein wir gegen euch, kein sich erheben über andere. Und dort beginnt das miteinander Kommunizieren und zu allererst das tiefe Zuhören. Hinter den Worten und Taten verbergen sich erfüllte und unerfüllte Bedürfnissen, denn alles, was wir tun, dient schlicht der Erfüllung unserer Bedürfnisse, so die Grundannahme in der GFK. Dazu zählt auch, dass die befriedigendste aller Handlungsmotivation ist, das Leben anderer zu bereichern (aus eigenem Antrieb und frei von Schuld, Scham, Angst) d.h. Kooperation statt Konkurrenz mit dem Ziel, Bedürfnisse aller wahrzunehmen – die eigenen Werte und die der anderen.

Dragon Dreaming ist damit gelebte Gewaltfreiheit, es bietet einen Rahmen praktisch Frieden zu schaffen zwischen Dingen, Menschen, die sich scheinbar ausschließen.

Dies bedeutet, nicht nur Gewalt abzulehnen, sondern auf allen gesellschaftlichen Ebenen Gewaltfreiheit zu praktizieren:  in den Familien – zwischen den Familien – in den Gemeinschaften – zwischen diesen und in den und zwischen Nationen. Diese Haltung ist besonders bedeutungsvoll, wenn Systeme, Gesellschaften kollabieren, da dies oft mit einer Zunahme von Gewalt einhergehen.

Was bei Dragon Dreaming Träumen-Planen-Handeln-Feiern ist, so enthält die GFK vier Schritte, die dabei unterstützen, den Prozesse der GFK zu lernen und die Haltung zu erfahren 1. Beobachten – wahrnehmen, was ist; 2. die eigenen Gefühle wahrnehmen, die dadurch ausgelöst werden; 3. das dahinter liegende Bedürfnis entdecken, das der Grund dafür sind, ob wir uns wohl oder elend fühlen und 4. eine konkrete Handlung (Bitte) formulieren, mit der wir das Bedürfnis erfüllen können.

Verbindung ist hergestellt und unsere Vorhaben realisieren sich, wenn wir immer wieder von neuem diese Kreisläufe durchlaufen.


Träumen

Träume werden wahr, wenn wir diese teilen. Und so haben wir im Workshop ausprobiert, welchen Unterschied es macht, wenn ich andere von einer Idee überzeugen will oder wenn ich aus der tiefen Verbindung mit meinem Traum heraus zu sprechen beginne.

Und wie wäre es, wenn wir unsere Ideen und Träume nicht mehr als unsere eigenen betrachten würden, sondern als Wünsch der Erde und des Lebens, die durch uns spricht und realisiert werden?

Und der Drache? (Im Workshop war er in ein gefährliches Krokodil verwandelt)

Der Drache sind wir selbst, ist unsere eigene Angst davor, etwas neues zu wagen. Der Drache steht für unsere eigenen, unbewussten, ungeliebten Aspekte, die wir oft, wenn wir sie im Gegenüber glauben zu erkennen, bekämpfen wollen. Wo unsere Angst, Unbehagen und Irritation liegen, verbirgt sich der Drache. Er ist die wahre Quelle unserer Kraft und der Schlüssel zu einer tiefen sinnvollen Zusammenarbeit, welche alle Bedürfnisse und Anliegen umfasst. Den Drachen nicht töten, sondern seine Größe für unser eigenes Vorhaben nutzen und uns dabei selbst neu kennen lernen, dazu lädt Dragon Dreaming ein.

Das Leben könnte ein Spiel sein, ein Spiel, bei dem wir alle Gewinner und Gewinnerinnen sind: wir selbst durch persönliches Wachstum, die Menschen in unserem Umfeld durch die Stärkung von Gemeinschaft und die Erde durch unser Handeln, im Sinne von Nachhaltigkeit und das alles Lebendige berücksichtigt.

Diese Prinzipien sind der Einstieg in Dragon Dreaming und damit die Einladung neue Spielregeln zu kultivieren und das Win-Lose- Game, das für- oder gegen-mich-Denken zu beenden und uns darin zu üben, etwas Neues zu praktizieren.

Ulrike Reimann, Workshopleiterin
www.emotionskultur.de

Ulrike_Reimann_dragon_dreaming_faircamp_berlin_2012

> Fair Camp Kurzfilm 2012
> www.faircamp.de

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