Update Griechenland. Gastbeitrag von Florian Knappe

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im-zelt (English version below) 3 Tage sind vergangen, seitdem ich nach meinem langen Aufenthalt in Griechenland und meiner Arbeit bei Northern Lights Aid wieder zurückgekommen bin. Es fühlt sich gut an, meine Familie und Freunde wiederzusehen. Andererseits denke ich an die Leute, die ich zurückgelassen habe.

Das Besteigen eines Flugzeuges, eine zur Gewohnheit gewordene Angelegenheit für westliche Bürger, lässt mich plötzlich realisieren, wie privilegiert ich bin. Ich kann zu jedem Ort dieser Welt reisen, wann immer ich will und mein Leben so gestalten, wonach mir ist. Nicht so die Menschen, die ich in den Flüchtlingscamps kennengelernt habe, die auf der Flucht eines brutal geführten Krieges seit über 6 Monaten an den Aussengrenzen zu Europa festsitzen. Europa schottet sich ab. Regierungen investieren lieber riesige Summen in den Aufbau von Mauern und zusätzliche Grenzsicherung, als die wirklich Leidtragenden zu unterstützen. Eine Wolke von irrationalen Ängsten umgibt den Westen. Furcht vor Überfremdung, Terrorismus und Wohlstandsverlust. Die Flüchtlinge werden als Problem wahrgenommen, das man an die Aussengrenzen abzuschieben versucht. Dass es sich hierbei um menschliche Individuen handelt, wird hierbei vergessen. Man möchte das Leid nicht im eigenen Land und nimmt dafür Menschenleben in Kauf. Wer den Krieg und die gefährliche Flucht überlebt hat, findet sich nun in einem von der griechischen Regierung geführten Camps wieder.

Artikel 1. der Menschenrechte besagt, dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechte geboren sind. Die Menschen in den Lagern sind nicht frei. Sie dürfen zwar die Camps verlassen, doch wohin? Die Grenzen sind geschlossen, in der Heimat herrscht Krieg und ohne Arbeitserlaubnis kann keine eigene unabhängige Existenz aufgebaut werden. Es ist eine andere Art der Gefangenschaft, denen die Flüchtlinge ausgesetzt sind. Wer ausserdem selbst solch ein Camp einmal besucht hat, realisiert schnell, dass es sich hierbei um ein Leben fernab jeglicher Menschenwürde handelt. Die Mängel in den unterschiedlichen Lagern sind endlos. Fehlt es in einem Camp an ausreichender medizinischen Versorgung, sind andere Campbewohner dem täglichen Gestank einer angrenzenden Verbrennungsanlage ausgesetzt. Andere Camps versumpfen aufgrund fehlender Abwasserkanäle, während sich anderswo die Bewohner mit zahlreichen Bettläusen und Mücken quälen. Was sich jedoch bei den meisten Lagern vorfindet, ist die unzureichende Lebensmittelversorgung. Es muss zugegebenermassen kein Mensch verhungern, jedoch sind selbst grundlegende Vitamine oder Mineralien nicht gedeckt, was besonders fatale Folgen bei schwangeren Frauen oder Kleinkindern nach sich zieht. Hierbei handelt es sich lediglich um eine Auswahl einiger Probleme. Die griechische Regierung ist überfordert und von den restlichen Staaten im Stich gelassen. Freiwillige Helfer versuchen, dass schlimmste auszumerzen, wofür die internationale Gemeinschaft eigentlich verantwortlich wäre.

kinder_kerala_oSchlimmer als die unzureichende Ausstattung der Camps ist jedoch der psychische Druck, dem die Flüchtlinge tagtäglich ausgesetzt sind. Neben den durchstandenen traumatischen Erlebnissen, setzt die eigene Hilfslosigkeit und das Unwissen über den weiteren Verlauf der Psyche zusätzlich zu. Die Menschen sind den Beschlüssen der Politiker ausgeliefert, welche zu einem ungewissen Zeitpunkt über ihre weitere Zukunft entscheiden werden. Die Flüchtlinge sind zum Warten verdammt, in einer Umgebung, die keinerlei Anreiz zu irgendwelchen Aktivitäten bietet. Nichtstun kann eine sehr grausame Folter sein. Ich hatte die Gelegenheit, in der zweiten Hälfte meines Aufenthaltes in einem der „besseren“ Camps arbeiten zu dürfen. Dies ermöglichte mir, verschiedenste körperliche Aktivitäten mit den Campbewohnern durchzuführen. Selten wurde mir in meinem Leben soviel Dankbarkeit entgegengebracht, wie zu diesem Zeitpunkt.

Vor rund 5 Monaten bin ich das erste Mal nach Griechenland gereist. Die Idee dazu ist mir nach einem langen Gespräch mit meiner ehemaligen Chefin gekommen, die selbst bereits einen Freiwilligeneinsatz geleistet hatte. Mir war immer bekannt, was für Ereignisse sich vor den Grenzen Europas abspielen. Wissentlich habe ich dies jedoch ausgeblendet und als eine von vielen Ungerechtigkeiten auf dieser Welt akzeptiert. Doch nach diesem Gespräch habe ich mich im Internet ein wenig eingelesen und daraufhin einen Flug nach Griechenland gebucht. Mir ist bewusst geworden und im Laufe meiner Aufenthalte in Griechenland hat sich dies bestärkt, dass ich als Einzelperson durchaus einen kleinen Unterschied machen kann und sei es auch nur für 10 Jugendliche, die ich durch ein Krafttraining für eine kurze Weile begeistern konnte. Seit meinem ersten Besuch habe ich die unterschiedlichsten Arbeiten in den Lagern verrichtet. Tätigkeiten mit denen ich teilweise zuvor noch nie konfrontiert worden bin. Ich hatte die Möglichkeit, Abwasserkanäle auszuheben und zu betonieren. Den Aufbau einer Schule oder schattenspendender Planen konnte ich unterstützten. Ich hatte die Möglichkeit Hilfsgüter unter die Leute zu bringen oder verschiedene Aktivitäten zur Unterhaltung durchzuführen. Nachts bin ich unterwegs gewesen, um Neuankömmlinge mit Zelten zu versorgen. Ich musste Flüchtlinge ins Krankenhaus fahren, die vom makedonischen Militär übel verprügelt worden sind. Im Lagerhaus konnte ich aus den verschiedensten Spenden die benötigten Hilfsgüter heraussuchen und den Familien persönlich vorbeibringen. Die Arbeiten sind gänzlich unterschiedlich und reichen von Hilfsgüterverteilungen hinüber zum Leiten von Aktivitäten oder Unterrichtseinheiten bis zum Konstruieren von Gebäuden. Es findet sich für jedermann eine entsprechende Aufgabe und jedes Talent kann auf seine Weise gewinnbringend eingesetzt werden. Es braucht nicht viel, der Wille helfen zu wollen, reicht meist bereits aus. Wem die Arbeit im Flüchtlingscamp nicht zusagt, aber gerne helfen möchte, hat immer noch die Möglichkeit lokalen Organisationen unter die Arme zu greifen oder eine der zahlreichen Organisation vor Ort durch Spendengelder zu unterstützen. Hierbei kann ich Northern Lights Aid nur aufs wärmste empfehlen.

schule14435027_1114350721953416_9183687428366919336_oNur weil die Zustände so sind, wie wir sie zurzeit vorfinden, bedeutet dies nicht, dass sie richtig sind. Weder noch sollten wir sie akzeptieren. Ich wünsche mir eine Empathie, die über den eigenen Gartenzaun hinwegreicht und die aktiv wird.

paypal: charlotte@northernlightsaid.no
Bank: DNB
BIC: DNBANOKKXXX
IBAN: NO2515037110989
Kontonummer/Account number: 1503.71.10989
VIPPS: 14852 / NORTHERN LIGHTS AID

Florian Knappe (25) arbeitet als Sportlehrer, ist Student für Sport- und Geschichte auf Lehramt und steht kurz vor dem Studienabschluss in der Schweiz. Die Semesterferien und zusätzliche Zeit verbringt er bei Northern Lights Aid in Griechenland. Nach einem kurzen Aufenthalt Zuhause ist er am 3. Oktober wieder zurück nach Griechenland geflogen.

 

Update Greece

Three days have passed since I came back after my long stay in Greece and my work at Northern Lights aid. It feels good to see my family and friends again. On the other hand, I think of the people I left behind.

The boarding of an airplane, an ordinary activity for Western citizens, made me suddenly realize how privileged I am. I can travel to any place in the world, whenever I want and arrange my life as I wish . This is not the case for the people who I met in the refugee camps, which have been stuck for more than six months at the outer borders of Europe after fleeing a brutal war. Europe seals off itself. Governments prefer to invest huge sums in the construction of walls and additional border security, than to support the truly sufferers. A cloud of irrational fears beleaguers the West, fears of foreign infiltration, terrorism and loss of prosperity. The refugees are seen as a problem to be moved out of the European borders. The fact that these are human beings goes forgotten. One does not want all this suffering in the own country and is therefore willing to sacrifice human lives. Those who survived the war and the dangerous escape, now find themselves in a camp managed by the Greek government.

Article 1. of The Universal Declaration of Human Rights states that all human beings are born free and equal in dignity and rights. The people in the camps are not free. They are indeed allowed to leave the camps, but where? The borders are closed, in the homeland there is a war and without a work permit they cannot build their own independent existence. This is kind of imprisonment, to which the refugees are subject. Those who visited once such a camp quickly realized that this is a life far from any human dignity. The deficiencies in the various camps are endless. If a camp suffers of adequate medical care, residents in another camp are exposed to the daily stench from an adjacent incinerator. Other Camps are flooded due to lack of sewers, while elsewhere camp inhabitants are tormented by bed lice and mosquitoes. However, what is common to most camps is the inadequate food supply. Admittedly nobody starves is in the camps, but the food supply lacks essential vitamins and minerals, which entails particularly serious consequences for pregnant women or infants. This is just a sample of the problems. The Greek government is overwhelmed and has been abandoned by the remaining European states. Volunteers try to prevent the worst while doing what the international community actually should be responsible for.7734792199703572284_oWorse than the limited infrastructure of the camps is the psychological pressure that the refugees face daily. In addition to the endured traumatic experiences, their helplessness and ignorance about their future burdens further their psyche. The people are delivered to the decisions of politicians, who will decide at an uncertain time about their future. The refugees are condemned to wait in an environment that discourages any activities. Idleness can be a very cruel torture. I had the opportunity to work during the second half of my stay in one of the „better“ camps. This allowed me to carry out various physical activities with the camp residents. I was rarely met with so much gratitude in my life as at this time.

I traveled for the first time to Greece about five months ago. The idea came to me after a long talk with my former boss who had already volunteered herself. I was always aware of the events outside the European borders but knowingly ignored and accepted them as some of the many injustices in this world. Shortly after that conversation I made some research in the internet and then booked a flight to Greece. My stay in Greece confirmed my previous impression that as an individual I can certainly make a little difference, even if only for ten young people who I can inspire with a workout training for a short while. Since my first visit I have conducted various activities in the camps. Part of those activities I had never faced before, like digging and concreting sewers. I assisted in the construction of a school and shady covers. I further brought relief supplies to the people and carried out various entertainment activities. During nights I supplied tents to newcomers. I drove refugees that had been beaten by the Macedonian military to the hospital. In the warehouse I picked out from various donations needed supplies and brought them personally to families. The tasks to conduct are widely different, ranging from aid distribution to management of activities or lectures to the construction of buildings. There is a task for everyone and anyone’s skills can be successfully utilized. It does not take much to be helpful, the will is usually already sufficient. Those who do not find the work in a camp appealing but still would like to help may assist a local organization at home or support with donations. Here I can warmly recommend Northern Lights Aid.  14446189_1114350385286783_5605383960242765846_nJust because the conditions are as they currently are, does not mean that they are right. Neither should we accept them. I wish an active empathy that looks beyond the own fence.

paypal: charlotte@northernlightsaid.no
Bank: DNB
BIC: DNBANOKKXXX
IBAN: NO2515037110989
Kontonummer/Account number: 1503.71.10989
VIPPS: 14852 / NORTHERN LIGHTS AID

 Florian Knappe (25) works as a physical education teacher and studies sports and history. Soon he will finish his master degree in Switzerland. Semesterholidays and other freetime he spends working with Northern Lights Aid in Greece. After a short break at home, he returned back to Greece on the 3. of October.

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