„Back to the roots – Städte im Übergang“

7. Mai 2010 · Keine Kommentare

Die Transition-Town*-Bewegung (*Übergangsstädte) setzt auf: 1) die Reduzierung des Ölverbrauchs und strebt den Einsatz erneuerbare Energien an. 2) Nachbarn arbeiten zusammen, 3) Essen & Einkaufen regional bzw. lokal, 4) Projekte, die das Teilen anregen und ebenso Ressourcen sparen: wie Regionalwährungen, Werkzeugverleih, Carsharing, Gemeinschaftsgärten, Bibliotheken, Ludotheken (Spielzeugbibliotheken), gemeinschaftlich betriebene Landwirtschaft, 5) gemeinsame Baumpflanzaktionen u.ä.

In den Vereinigten Staaten ist die Slow-Life-Bewegung zu einem Teil der „Bewegung für Einfachheit“ geworden. Sie ermutigt die Menschen zu einem sinnvollen Leben, indem sie die uralte visionäre Kraft der Muße erforscht und zurückfordert. Allmählich finden die Menschen Wege, sich wieder Zeit zu nehmen, um mehr zu Fuß zu gehen, mit ihren Nachbarn zu plaudern und sich mehr in ihrer unmittelbaren Umgebung aufzuhalten.

Gemeinschaft ist von zentraler Bedeutung, um Menschen zu einem einfacheren Leben zu inspirieren. Ebenso wichtig ist es aber auch zu erkennen, dass dieser Ansatz Folgen für die Demokratie hat, ist er doch der einzige Weg, den Großunternehmen, der Kraft hinter dem Konsumdenken, Macht zu entreißen. Robert Wuthnow, Soziologe an der Princeton University, fordert in seinem Buch American Mythos eine »nachdenklichere Demokratie« und Gelegenheiten, über grundlegende Werte und Ideale zu sprechen. Er argumentiert, dass der Übliche demokratische Diskurs nicht über den Gedanken des »informierten Bürgers« – das ist jemand, der an der Diskussion über aktuelle Ereignisse teilhat – hinausgeht und dass nicht über grundlegende Werte und Annahmen reflektiert wird. Freiwillige Einfachheit ist sicherlich das »kritisch betrachtete Leben«, das dem Menschen hilft zu entscheiden.

Robert Putnam schreibt in seinem Werk Bowling Alone: Die Kultur, in der Nachbarn miteinander reden würden, sei auch jene, in der sie wählen gingen. Wenn die Menschen in ihren Gemeinschaften engagiert sind, dann sprechen sie auch miteinander und sind in der Regel mehr in Politik und Gesellschaft engagiert, zum Beispie! in örtlichen Bürgerinitiativen. Die Nachbarschaftsbewegung ist also in vie!er Hinsicht von Bedeutung. Letztlich helfen Gespräche und das Engagement mit anderen den Menschen, die Kultur des »einsamen Wolfs« abzulegen und zu erkennen, dass wahre Sicherheit nicht in materiellem Wohlstand, sondern in der Beziehung zu Menschen liegt.

Eine weitere kreative Idee, die zur Transition-Town passt, ist »The Compact«, eine Initiative, in der sich Konsumenten bereit erklären, ein Jahr lang nichts Neues zu kaufen.

Überall auf der We!t entwicke!n Menschen Wege, dem Konsumdenken die Stirn zu bieten und Postkonsumkulturen zu schaffen. Am Barefoot College in Indien werden einfach lebende Menschen dazu ermutigt, ihren nachhaltigen Lebensstil beizubehalten. Das Dorf Gaviotas in Kolumbien hat mithilfe innovativer Techniken wie Solar-Windkraft unfruchtbare Savanne urbar gemacht und Wälder wieder aufgeforstet.

Das Ziel ist nicht nur, die Menschen zu weniger Konsum zu bewegen, sondern eine neue  Gesellschaft hervorzubringen, sie zu inspirieren und zu motivieren und sich mehr für den gesellschaftlichen Wandel zu engagieren, indem Empathie, Fürsorge und Verbundenheit geweckt werden. Wenn die Menschen mit anderen zusammenkommen, können sie ihre KonsumwÜnsche loslassen, weil sie einen neuen Lebensstil kennenlernen, der mehr zufriedenstellt. Dann ist freiwillige Einfachheit sowohl eine Lebensform auch eine Philosophie und eine Methode für gesellschaftlichen Wandel, die dazu beitragen kann, Konsumgesellschaften zu verändern, indem sie den Menschen hilft zu verlehen, dass weniger mehr ist.

Einer der wichtigsten Wege, wie diese Werte und Modelle Verbreitung finden, ist Bildung. Die vie!fältigen von  z.B. Ökodörfern entwickelten Bildungsprogramme spiegeln den ethischen Kern der jeweiligen Gemeinschaft. Und sie beruhen auf Erfahrung und beziehen sämtliche Fähigkeiten und Anlagen der Lernenden mit ein: Kopf, Herz und Hände.

Quelle: aus „Einfach besser leben“ (Worldwatch Institute, Zur Lage der Welt 2010) Cecile Andrews/Wanda Urbanska

Tags: Transition Town

Hinterlasse ein Kommentar